Irgendwo in Kroatien

Es ist, als ob der Planet einem ganz alleine gehört. Weit und breit ist alles verlassen. Um einen herum nichts als die kristallblaue Adria, dichte Kiefernwälder mit Oleander, Zypressen, Johannisbrot- und Olivenbäumen.

Und eine streunende Katze, die sich heimlich die Überreste von der Fregatten-Makrele krallt, die vorhin noch in der Bratpfanne geschmort hat. Mitten drin, wie ein verlorener Legostein, steht der Unimog, der in vier Tagen immerhin gute Tausend Kilometer zurückgelegt hat.

Jeder kleinste Moment war bis hierhin aufregend: die Alpen, auf denen kilometerlang eine riesige weiße Wolkendecke lag, die Seen bei klarem Sternenhimmel, an dessen Stegen die Lichtsensoren der Angler funkelten. Der lange Bergtunnel, der in das dunkle Grün Sloweniens führt und schließlich die Adriaküste, die meilenweit so utopisch aussieht wie diese Postkarten, die manchmal im Briefkasten landen.

Wenn man stundenlang am Meeresufer sitzt und ins Wasser schaut, macht das ganz nachdenklich. Nicht so sehr über das Leben, mehr über die unzähligen Wörter, die für die vielen Kleinigkeiten unserer Erde fehlen. Wie nennt man das zum Beispiel, wenn eine Welle leicht gegen einen kleinen Felsen schwappt und der Schaum dahinter hervorhüpft, als würde er „Tadda!“ sagen?

Schwipsen? Schwuppen? Schweps?*

Die Fregatten-Makrele (auf Kroatisch „Rumbac Svjezi“) haben wir übrigens schön mit etwas Olivenöl und frischem Knoblauch zubereitet, dazu blassgrüne Paprika, Zwiebeln und Ingwer. Bei den Herbstböen ist es gar nicht so leicht, einen Fisch, selbstverständlich mit Salzwasser am Felsenriff mariniert, ordentlich anzubraten. Mit etwas Geduld, einem blutorangenen Sonnenuntergang und einer robusten Außenküche (Gasherd auf Sandblech), klappt es schließlich doch.

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Kroatien ist warm, friedlich und gerade nach der Urlaubssaison wie leer gefegt. Die wenigen Menschen, die an der Küste herumsitzen, sind entweder hartnäckige Dauercamper, Angler oder Aussteiger, die einen abends in philosophische Gespräche bei ein oder drei Gläschen Sljivovica verwickeln. Seit Österreich haben wir davon auch einen selbst gebrannten an Bord. Ein Geschenk von einem Podolski – nicht der Fußballer, aber einer seiner direkten Um-Ecken-Verwandten.

Es ist verblüffend, was für Menschen auf einen zukommen, wenn man mit so einem geländegängigen Haus auf Rädern unterwegs ist. Und wie viele von denen gleich Spirituosen aus der Tasche zaubern, um auf dieses irre Reisevorhaben anzustoßen.

Das Ziel ist ja Indien. Bis dahin gibt es noch Unmengen zu sehen, zu schmecken und zu lernen. „Danke“ heißt auf Kroatisch „Hvalla“, „Bitte“ heißt „Molim“, wie uns eine nette Restaurant-Inhaberin in fließendem Deutsch erklärt. Nicht, weil sie dort mal gelebt hat, sondern weil so ziemlich alle ihre Stammgäste Deutsche sind, die sich ihre Rente den Sommer über in Kroatischen Kuna auszahlen lassen.

Eine Weltreise fühlt sich im Übrigen völlig abwegig an, wenn man erst vier Tage unterwegs ist. „Wo geht’s denn hin?“ fragen die Rezeptionisten, wenn sie das Gefährt vor der Eingangs-Schranke der Autocamps sehen. „Nach Indien“, sagen wir dann – und können es in Wirklichkeit selbst nicht glauben. Blickt man auf die Weltkarte, haben wir uns bisher ganze fünf Millimeter bewegt.

Wir haben noch einen langen Weg vor uns.

*Wenn ihr eine Idee habt, wie man den Wellen-Schwips nennen könnte, schreibt eure Vorschläge gerne unten in den Kommentaren :)

10 comments

  1. Toll, toll, toll! Rollt gut weiter und habt viel Spaß. Hier in Indonesien heisst die Welle „gelombang“, daher heisst das für mich „gelombangen“ oder auf Deutsch „anwellen“…;)

  2. Irgendwo in Nürnberg :) schauen wir immer wieder bei Euch vorbei, um zu sehen wo Ihr gerade seid und was Ihr alles zu berichten habt. Noch toller wäre es, wenn Ihr uns noch mehr an Eurer Reise teilhaben lassen würdet. Am besten natürlich per YouTube, Instagram oder Snapchat. Nur so als Tipp 😉 ……Nehmt uns einfach mit auf Eure Reise…..

  3. Wie wunderbar Ananda,
    dass ihr auf dem Weg seid!
    Vielleicht habt ihr ja ein Stück Fieden bei euch – dass ihr ihn erleben dürft. Tragt ihn weiter!
    Ganz viel Glück euch
    Thomas

  4. kräuseln, züngeln? schwappen finden ich gut, nur wenn das ein sehr zartes Wellchen ist , dann züngelt es vielleicht eher gegen einen kleinen Felsen….
    Oder touchiert das Wellchen den Felsen nur??
    Ich freu mich jedenfalls, von Euch zu hören! Viele schöne Erlebnisse bis zum nächsten Ratespiel. :-)

  5. schlubatsch
    nicht zu verwechseln mit schlublatsch (das ist das Geräusch einer Wassermelone die vom Unimob überfahren wird)

  6. Das kommt drauf an: Ist der Schaum ein eleganter Hipster, dann heißt das „schwapposieren“. Ist er aber ein cooler Checker, dann heißt es „schwapposen“.

  7. Moin ! Das hat echt was …. vor einem Jahr waren wir mit Reisegruppe ‚ Rundreise ‚ in Indien , durch Radjastan . Es war ein tolles Erlebnis. Und für Euch wird es noch tausendmal interessanter , so hautnah dran ! Ich wünsche Euch eine tolle Reise und eventuell lese ich ja auch Eure Reiseberichte, wenn ich sie finde . Gruß aus den Norden von Deutschland

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