Im Tal der Mandarinen-Drückerbanden

In der kroatischen Region Zaba teilt das Neretva-Flussdelta die Felder, in lauter kleine Karos, allesamt bepflanzt mit Mandarinenbäumchen.

Mitten im Nichts dann eine Straße mit mandarinenüberladenen bunten Bretterbuden, wo die Ernte der Region verkauft wird: Feigen, Granatäpfel, Olivenöl, Marmeladen, Säfte – und natürlich Mandarinen.

Das ist der Auckenblick, in dem ein Unimog eine Vollbremsung hinlegt, die zwei Insassen nach einer langen Fahrt von Bord taumeln – und die Journalistin von beiden zwar schreiben, aber nicht rechnen kann und deshalb für zwei Kilo Mandarinen, einen Beutel Feigen und einen Liter Olivenöl 180 Kuna (=25 Euro) hinblättert. Dafür bekommt man in kroatischen Supermärkten einen Großeinkauf. Das vergisst man aber schnell, wenn die geritzte Verkäuferin, die gar nicht so wirkte, als würde sie die Früchte selber ernten, einem leckere Kostproben verabreicht. Eine regelrechte Mandarinen-Drückerbanditin.

SAM_0976-2

Zurück im Wagen. Der hoppert mit einem sinnlosen Berg Zitrusfrüchte weiter. Und einem Liter zwielichtigem Olivenöl, von dem es natürlich keine Kostproben gab. Die Straße schlängelt sich weiter entlang der karierten Plantagen, übersäht mit vielen kleinen knallorangenen Mandarinenpünktchen. Auf einmal eine ganze Allee Bretterbuden, davor Reisebusse voller Kreuzfahrttouristen, die in Dubrovnik vor Anker gehen, jeder hievt ein 5-Kilo-Netz mit sich herum. Wir sind wohl nicht die einzigen, die den Mandarinen-Drückern auf den Leim gegangen sind.

Mittlerweile sind wir die gesamte kroatische Küste hinuntergeschaukelt, an etlichen Marinas, Fischerbooten, Bergen und Olivenhainen vorbei. Geografisch gesehen, ist Kroatien ein schmaler Streifen, der sich Richtung Süden immer mehr verdünnisiert, bis er sich die Küste kleckerweise mit Bosnien-Herzegowina teilt.

Wenig später erreichen wir die Grenze zu Montenegro. Und übernachten auf einem einsamen Campingplatz, mit hunderte Jahre alten, knorrigen Olivengiganten, umringt von vielen kleinen – na klar – Mandarinenbäumen. Die fürsorgliche Besitzerin bricht direkt einen mandarinenstrotzenden Zweig ab. Der liegt jetzt neben den schätzungweise Vierzig anderen Mandarinen. Genug bis Weihnachten.

1 comment

  1. Hallo ihr zwei, Anne und ich haben uns heute (Schande über uns) das erste mal mit eurer Seite auseinander gesetzt. Ich kann nur sagen, wir sind begeistert. Die netten kurzen und kurzweilig geschriebenen Erlebnisschilderungen, die schönen professionellen Fotos, einfach nett. Wir wünschen euch weiterhin eine gute erlebnisreiche Fahrt, und macht weiter mit euren Berichten. Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung
    Anne und Kajo Keller

Schreibe einen Kommentar