Kappadokien – From Dusk Till Dawn

Nach zwei Monaten Mittelmeerküste steuern wir ins Landesinnere der Türkei und landen in Kappadokien, genauer in Envers „Wine House“.

Eine kleine, eigens zusammengezimmerte Hütte, mit Wandteppichen, Fenstern aus Bauplane und einem Heizofen, auf dem laufend eine Çaydanlik brodelt, die Enver fleißig mit Plastik-Gemüsekisten, altem Matratzenschaum und manchmal Holz befeuert – was sich eben gerade anbietet.

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Rings rum schräge Felsenformationen aus porösem Tuffstein, in die seit Jahrtausenden Höhlenarchitektur gehauen wurde. Bis heute leben viele Kappadokier in Tuffstein-Apartments.

Der Wind peitscht gegen die Fensterfolie, zwischen den Teppichen herrscht brüllende Hitze. Der Winter bricht gerade über Zentralanatolien herein, da schiebt man schon mal ein Matratzenstück mehr in den Ofen und schenkt am Nachmittag die ersten Gläschen kappadokischen Wein von zweifelhafter Qualität ein, an die man sich erst gewöhnen muss. Envers Trick: etwas Kirschlimonade und ein Schuss Efes, was zumindest den Weingeschmack lindert. Wir verbringen die Tage im White und Rose Valley, die Abende bei unserem junggeselligen Freund, der ein hervorragendes tavuk kebab in einem Tontopf zubereitet.

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Seine Hütte ist mit türkischen Flaggen und Wahrzeichen versehen. Teppiche und Poster von Atatürk zieren die Wände. Was wir von Erdogan und Merkel halten, fragen uns Enver und seine Freunde, die abends in der Hütte einkehren, Sonnenblumenkerne schälen, Raki trinken und stark quarzen.

Dieses Jahr gab es spürbar weniger Tourismus, erzählt einer der Ballonpiloten. In der Nacht verstärken sich die Windböen, je später es wird, umso sicherer sind sich alle, dass die Heißluftballons am nächsten Morgen steigen können. Wir lassen uns auf die Wette ein, dass das unmöglich sei – und gewinnen. Schade, denn hätten wir verloren, hätte man uns einen Rundflug spendiert.

1 comment

  1. Ich bin sehr beeindruckt von den Bildern und wie einfach ein Leben sein kann. Weder ist hier eine Rakete im Himmel sichtbar oder eine Technische Welt. Der Mensch ist glücklich und zufrieden mit sich selbst und holt was er braucht aus seiner Umgebung. Trotz alldem ist seine Identität zum Land wichtig. Daher die vielen Flaggen.. Er ist Stolz auf sein Land und die Ordnung die er mit so wenig im Leben geschaffen hat und zeigt es auch……. Es ist mir immer ein Rätsel wie man mit so wenig trotzdem alles hat…….

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