A weng was vom Baum

Während die Fernreise-Katze ihre Tage weiterhin schnurrend zubrachte – unberührt davon, dass sich der Unimog mittlerweile aus dem Staub gemacht hatte -, war ein Laubbaum 453 Kilometer entfernt schwer damit beschäftigt, im fränkischen Wald herumzustehen.

Was so ein Baum über die Welt denkt oder die Tatsache, dass Spaziergänger ihn manchmal umarmen, ist völlig unklar. Sicher ist nur, dass sich alles, was ein fränkischer Ureinwohner den Tag über denkt, mit einem einzigen „Allmächd!“ zusammenfassen lässt.

Und so fränkelt auch dieser Baum, eine Rotbuche, Tag für Tag lautlos vor sich hin. Und das kann bis zu zwei Jahrhunderten dauern. Die Rotbuche, um die 80 und noch astrein, hat an einem sonnigen Fleckchen am Waldhang Wurzeln geschlagen. Da, wo auch der „Kalorienweg“ langgeht, ein Pfad, der Wanderern anzeigt, wie viel sie abgespeckt haben, um sie zu einem Gasthof zu führen, der „Schäuferla mit Gniedla“ empfiehlt.

Der Rotbuche ist klar, dass sie auch in jeder anderen deutschen Waldregion herumstehen könnte. Aber der fränkische Wald ist doch „a weng“ anders. Im Grunde ist alles dort ziemlich verniedlicht. Da wachsen keine Pfifferlinge, sondern „Gelberla“. Im Wind knarren die Äste nicht, die „gnardzn“. Und auf den Waldwiesen blühen die „Blummer“. Die Rotbuche steht auch nicht einfach nur da, sie „steht fei dordn“. Das ist schon etwas grundlegend anderes, denn ohne das „fei“, ein vollkommen sinnfreies Füllwort, an dem bisher jeder Übersetzer restlos verzweifelt ist, würde das Fränkische überhaupt nicht funktionieren.

Die Rotbuche könnte darüber ein Leben lang sinnieren. Ihr bleibt ja auch nichts anderes übrig. Rotbuchen können sonst nicht viel machen. Außer zufrieden dastehen und „bassd scho“ meditieren. Und den Waldboden wunderschön rot einfärben, wenn sie die „Blädder“ fallen lassen.

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